Durchblick im Versicherungsdschungel?

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Die besten Tipps vom auf Zahnärzte spezialisierten Versicherungsmakler KR Helmut Mojescick.

Wer mit dem Studium der Zahnmedizin fertig ist, steht vor einer Vielzahl von Entscheidungen. Als Existenzgründer ist steuerliches, rechtliches und versicherungstechnisches Know-how gefragt.

Da es im Dickicht des Versicherungsdschungels oftmals schwer ist, den Durchblick zu bewahren, empfiehlt sich die Konsultation eines ausgewiesenen Experten. Einer von ihnen ist KR Helmut Mojescick von der Spezialistenvereinigung ARGE MED Wien, der seit Jahrzehnten zahlreichen Zahnärzten in ganz Österreich zur einem sorglosen Praxisalltag verhilft.

Als Autor mehrerer Fachbücher wie „Das Buch zur erfolgreichen Gründung Ihrer Ordination“ oder „Ein Leitfaden durch den Steuer-, Rechts- und Versicherungsdschungel für Zahnärzte“ weiß der Versicherungsmakler, worauf es bei der Wahl der passenden Versicherung wirklich ankommt. Im Interview mit dem Softdent-Blog hat er uns ein paar wichtige Tipps verraten:

Wie finde ich als Zahnarzt die passende Versicherung?

Mein erster Rat ist: Bitte wenden Sie sich unbedingt an einen Spezialisten für Ärzte – noch besser für Zahnärzte.

Dieser sollte auch unabhängig sein, was in der Regel nur ein Versicherungsmakler sein kann. Österreichweit sind das rund 4.000 Personen, während die anderen 40.000 inklusive den Banken reine „Erfüllungsgehilfen eines Unternehmens“ sind. Letztere bieten ihren Kunden stets dieselben drei bis vier Produkte an, die für ihre Anforderungen aber schlichtweg nicht passend sind.

In der Medizin müssen etwaige Schadenfälle wirklich maßgeschneidert abgedeckt sein. Da kann es schon einmal vorkommen, dass durch einen Wasserschaden eine Praxis elf Monate lange schließen muss und die Schäden die Million überschreiten. In so einem Fall brauchen Sie einen echten Profi an Ihrer Seite, der Sie bei Bedarf auch mental entsprechend unterstützt.

Da die Zahnmedizin ein komplexes Thema darstellt, das auch vom Makler das nötige Fachwissen erfordert, sollten Sie, wie gesagt, nur echte Experten konsultieren.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie erkenne ich diese? Mein Tipp ist: Stellen Sie Fragen zum WFF (Wohlfahrtsfond) und lassen Sie sich am besten gleich die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern erklären. Sprechen Sie mit dem Berater dabei ruhig in einer Fachsprache, wie Sie auch mit einem Kollegen sprechen würden. So können Sie bereits abschätzen, wie sattelfest Ihr Ansprechpartner in Ihrer Branche wirklich ist.

Meiner Einschätzung nach gibt es österreichweit nur rund 12 bis 15 spezialisierte Kanzleien – gerne empfehlen wir Ihnen etwaige Kontakte in Ihrem Bundesland.

Was gilt bei Versicherungen: Ist teuer wirklich immer besser?

Teuer kann deutlich besser sein – muss es aber nicht. Zusammengefasst ist vor allem die Erfahrung Ihres Partners in der Abwicklung von Schäden von wesentlicher Bedeutung.

Welche Versicherungen für Zahnärzte sind das Um und Auf?

In der Praxis benötigt man als Ordibetreiber rund zehn verschiedene Verträge, die jeweils auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sein müssen. Das beginnt bei der Ärzte-Haftpflichtversicherung reicht über den Rechtschutz bis hin zur Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung.

In der Praxis ist dieses Thema sehr komplex, beispielsweise ist die Gruppen-Krankenversicherung in jedem Bundesland anders geregelt.

Bei den Versicherungen gibt es dramatische Unterschiede in den Formulierungen. Beispielsweise wenn es heißt, ein Arzt sei ausschließlich in der angegebenen Fachrichtung versichert. Problematisch kann es auch beim Ausschluss nicht „medizinisch indizierter Kosmetik“ werden.

Wer hierbei schlecht beraten ist, muss im schlimmsten Fall lange dafür bezahlen: Denn für Zahnärzte gilt, dass sie bereits mit dem ersten Tag der Vertretung als Selbstständige gelten und daher das Konsumentenschutzgesetz nicht mehr zum Tragen kommt. Sprich:  Es kommen Bindungen bis zu zehn Jahre vor.

Was sind die häufigsten Schadenfälle?

Wenn es um die Haftpflicht geht, muss man leider feststellen, dass es sich in deutlich mehr als 50% der Fälle um sogenannte „Abwehrdeckungen“ handelt. Die Versicherung schützt den Zahnarzt vor ungerechtfertigten Ansprüchen der Patienten.

In der Praxis beginnen Schadenforderungen bei Bleichflecken auf der Kleidung reichen über abgebrochene Wurzelkanalfeilen bis hin zu Fehlbehandlungen mit jahrelangen Gerichtsstreitigkeiten.

Natürlich müssen auch Risiken im Privatleben des Arztes, die Konsequenzen auf seinen Geschäftserfolg haben, abgesichert sein: Verletzte Finger, Gelenke, Brüche bei Sportunfällen und Co. haben natürlich mitunter auch langwierige finanzielle Ausfälle als Konsequenz.

Die derzeitige globale Situation macht Existenzgründern Angst - soll ich mich absichern?

Der Weg in die Selbständigkeit birgt immer ein Risiko. Bei Ärzten sehe ich dieses im Vergleich zu anderen Berufsgruppen aber als sehr überschaubar an.  In dieser Berufsgruppe lassen sich Risiken noch dazu sehr günstig absichern.

Die Kosten für Versicherungsprämien sind in Relation zum Umsatz-/Deckungsbeitrag so gering wie bei so gut wie keiner anderen Berufsgruppe.

 Was raten Sie bei der Erstellung des Businessplans in Hinblick auf Versicherungen?

Wieder den Gang zum Spezialisten. Es ist bei Steuerberatern nicht anders. Nur wer hunderte Zahnärzte betreut, hat auch wirklich Ahnung von ihrem Job.

Ich würde mir ein gutes Team aus Steuerberater, Anwalt und Versicherungsmakler zusammenstellen, die alle drei auf meine Branche spezialisiert sind. Nur so kann die Ordinationsgründung reibungslos klappen und nachhaltig erfolgreich sein.

Wenn Sie über die Selbständigkeit nachdenken oder bereits in der ersten Phase sind, empfehle ich den Besuch des Pluradent Existenzgründungstags am 11. Juni 2022 in Wien.

Soll ich als Zahnarzt meine Versicherungen regelmäßig überprüfen?

Bei einem Versicherungsmakler sollte das selbstverständlich sein, da es im § 28 Maklergesetz geregelt ist.

"Softdent" steht für digitalen Workflow - was bedeutet Digitalisierung in Ihrer Branche?

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Die Digitalisierung wirkt sich derzeit fast ausschließlich auf den Privatbereich (Haushalt, KFZ usw.) aus. Ärzte brauchen in ihren beruflichen Absicherungen auf jeden Fall einen „Maßanzug“.

Von Vorteil ist die optimale Dokumentation durch digitale Software wie von Softdent natürlich im Schadenfall. Prozesse sind genauer dokumentiert, Behandlungsstandards digital belegbar und Fotos können schnell und einfach an die jeweilige Versicherung übermittelt werden.

Haben Sie weitere Tipps & Ratschläge für junge Zahnärzte?

Nehmen Sie sich vorab lieber ein bisschen mehr Zeit für die betriebswirtschaftlichen Eckpfeiler Ihrer Praxis und erledigen Sie das nicht erst „in letzter Minute“. Man sollte sich idealerweise bereits in der Endphase des Studiums mit diesen wichtigen Dingen auseinandersetzen.

Arbeiten Sie dabei nur mit einem auf Zahnärzte spezialisierten Team – aus Versicherungsmakler, Steuerberater und Anwalt – zusammen. Zumindest in Wien kennen sich diese Profis alle untereinander und eine Ordigründung ist Tagesgeschäft. Das wird letztlich zu mehr Erfolg in Ihrer Praxis führen.

 

* Ausschließlich zum Zweck der leichteren Lesbarkeit wird auf diesem Blog das generische Maskulinum verwendet. Hiermit sprechen wir ausdrücklich alle Geschlechteridentitäten ohne wertenden Unterschied an.

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shutterstock/Monika Wisniewska
Buchtipp: Von der Uni zur Ordi (Mojescick, Kraft-Kinz, Cerha)

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